Der Einkaufen in Magdeburg-Blog

Von der Donau an die Elbe – zwei Schwaben entdecken Magdeburg

Seit fünf Monaten leben Max und Nicolas, die beiden schwäbischen Studenten, nun in Magdeburg. Wie es ihnen gefällt und welche Unterschiede sie zu ihrer Heimat feststellen konnten, erfahren Sie hier…

 

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Aus zwei kleinen Orten in der Nähe von Ulm haben sich Nicolas und Max hunderte Kilometer gen Norden gewagt, um an der Hochschule Magdeburg zu studieren. Auch wenn die beiden gerade mal 50 km voneinander entfernt wohnten, unterscheidet sich deren Herkunft deutlich. Während Nicolas nördlich der Donau, dem sogenannten „Weißwurstäquator“, aufgewachsen und somit ein Baden-Württemberger ist, kommt Max, dessen Heimat südlich des Flusses liegt, aus Bayern – Schwaben sind sie jedoch beide.

Nach einigen Tagen in ihrer Heimat, kehren sie nun nach Magdeburg zurück. Um ihre vorlesungsfreie Zeit sinnvoll zu nutzen, wollen sie heute etwas machen, was sie sich schon lange vorgenommen haben. Sie wollen auf den Turm der Johanniskirche. Wir möchten die beiden auf ihrem Weg durch die Stadt und ihren ersten Erfahrungen die sie sammeln, folgen. Mal sehen, was sie zu erzählen haben.

 

Gerade aus dem Zug gestiegen, laufen die beiden aus dem Hauptbahnhof Richtung City-Carre.

 

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Nicolas: Es ist schon komisch, dass hier nicht mal ein ICE hält.

Max: Ja, und das in einer Landeshauptstadt. Einen IKEA (Anm. d. Redaktion: IKEA Magdeburg eröffnete am 31. August 2017) gibt es auch nicht. Manchmal verstehe ich schon, warum mich die Leute zuhause komisch anschauen, wenn ich erzähle, dass ich ausgerechnet in Magdeburg studiere.

 

Halt, Stopp! Naja, ja, einen ICE-Halt haben wir zwar nicht. Wer braucht den schon, wenn seine Stadt so geschickt zwischen all den Metropolen in Mitteldeutschland liegt? Aber wenn ihr dringend einen neuen „Lack“-Tisch aus Schweden braucht, besucht doch mal die gigantomanische Baustelle im Norden der Stadt. Klar, ein paar Wochen müsst ihr euch noch gedulden, allerdings dürft ihr dann auf 18.000 Quadratmeter Stöbern und Würstchen im Brot genießen, so lange eure kostbare Zeit und so viel das Bafög-Geld hergibt. Und mal ganz ehrlich: Wir haben hier dann ein hochmodernes Möbelhaus stehen. Wie alt ist nochmal der IKEA in Ulm?

 

Nicolas: Naja, aber sowas sind ja wohl doch Kleinigkeiten. Prinzipiell ist es schon sehr schön hier.

Max: Du hast schon Recht. Was gefällt dir denn an der Stadt besonders?

Nicolas: Es ist wirklich toll, wie viele Parks es hier gibt. Das erste Mal, als ich nach Magdeburg gefahren bin, fiel ich buchstäblich von einem Park in den nächsten – herrlich!

Max: Das stimmt. Dass die Stadt so viele grüne Flächen hat, hätte ich nicht erwartet. Ich freue mich jetzt schon auf den Sommer. Gemütlich auf irgendeine Wiese liegen, den Grill anwerfen und die Seele baumeln lassen.

 

Aufgepasst, junge Herren, nicht überall darf einfach so der Grill an- und die Sojawurst auf den Rost geschmissen werden! Allerdings gibt es hier in Magdeburg so viele Grünflächen, dass dieser Eindruck erweckt werden könnte – können wir Machdeburjer voll und janz verstehen. Also: Einfach die gekennzeichneten Flächen zum Grillen nutzen und euch bleibt das (sicherlich sehr nette) Gespräch mit dem Ordnungsamt erspart.

 

Nicolas: Und überall gibt es diese kleinen gemütlichen Cafés und Läden in der Stadt.

 

Während des Gesprächs haben sie nun schon ein gutes Stück zurückgelegt. Sie laufen nun im strahlenden Sonnenschein die Ernst-Reuter-Allee entlang. Links und rechts von ihnen prangen die ehemaligen, strahlend gelben Stalinbauten der Allee in voller Pracht.

 

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Nicolas: Auf jeden Fall. Die Spätis sind allerdings nach wie vor die großartigste Entdeckung. Bei uns in Württemberg bekommt man nach 22 Uhr kein einziges Bier mehr in irgendeinem Laden. Nicht mal eine Flasche Wein.

 

Keene Ahnung, wer auf diese Idee bei euch jekommen ist, lieber Nicolas, aber hier kannst du auch spätnachts noch dein verdientes Feierabend-Bierchen zu günstigen Preisen kaufen.

 

Max: Stimmt, das ist bei uns nicht anders. Aber dafür kann man reinen Gewissens in den Kneipen eine „Halbe“ bestellen, ohne angestarrt zu werden als spreche man Chinesisch. Kein Kellner hier versteht was ich damit meine.

Nicolas: Trotzdem sind die Kneipen hier total klasse – tolle Einrichtungen, nette Bedienungen und studentenfreundliche Preise.

 

Geb‘ ich dir Recht! Das bluenote in Stadtfeld, die Uni-Theke am Universitätsplatz und ganz zu schweigen von den dutzenden Bars, Kneipen und Pubs rund um den Hasselbachplatz, sind mehr als einen Blick wert.

 

Max:  Geschmacklich ist das Bier jedoch auch kein Vergleich zu dem aus unserer Heimat.

Nicolas: Hier gibt es keine einzige Brauerei. In unserem kleinen Kaff haben wir sogar vier davon. Das beste Bier hier kommt aus Tschechien. Aber naja, Pfeffi ist hier doch sowieso viel angesagter.

 

Da muss ich euch widersprechen. Wir haben hier kleine Brauereien, die die alten Traditionen des Bierbrauens wiederbeleben. Es gibt die Diamant Brauerei in Neue Neustadt und die Buckauer Dampf-Bierbrauerei. Vor den Toren der Stadt wird der Gerstensaft in Colbitz oder in der Wasserburg zu Gommern gebraut und im Stadtteil Sudenburg investiert das Magdeburger Getränkekombinat gerade zwei Millionen Euro in eine nagelneue moderne Brauerei. Hier wird ab Herbst das traditionelle Sudenburger Bier nach alter Rezeptur gebraut. Naja, und Pfeffi gibt es hier auch.

 

Max: Das stimmt. In den Weihnachtsferien ist mir aufgefallen, dass sich dieses „Kultgetränk“ so langsam in meinem schwäbischen Freundeskreis durchsetzt.

 

Vorbei am Allee-Center, kommen sie ihrem Ziel näher. Im Treppenaufgang der Johanniskirche…

 

Max: Zefix! Sind des viele Stufa.

*Ein Jammer, sind das viele Stufen.

Nicolas: Stell di net so a Kerle! S Ulmer Münschder hat doch no viel mehr.

*Stell dich nicht so an, Junge. Das Ulmer Münster hat noch viel mehr.

 

Sie sind nun oben angekommen und genießen die Aussicht. Dom, Elbauenpark, Hundertwasserhaus und viele mehr sind wunderbar zu sehen.

 

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Nicolas: Toller Ausblick.

Max: Absolut! Das hat sich wirklich gelohnt. Ein wahrer Augenöffner.

 

Sie genießen ein paar Minuten das Panorama. Die Elbe, die in der Mittagssonne glitzernd ihre immerwährende Bahn durchzieht und die Stadt in zwei Hälften teilt. Die mächtigen Türme des Magdeburger Doms und des Klosters Unser Lieben Frauen, die das Stadtbild unnachahmlich prägen, und sich südlich von ihnen gen Himmel schrauben. Das Dickicht des Rotehornparks zu ihrer Linken und die schier endlos lange Einkaufsmeile, dem Breiten Weg, im Herzen der Stadt zu ihrer Rechten.

 

Max: Ist dir eigentlich aufgefallen, wie groß und gleichzeitig klein diese Stadt ist?

Nicolas: Wie meinst du das?

Max: Wenn ich hier oben stehe und über die Stadt blicke, kommt es mir vor, als sei ich in einer Großstadt – logisch. Und doch ist mir aufgefallen, wie ich in kürzester Zeit von einem Ende zum anderen kommen kann. Sei es mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen.

Nicolas: Es wirkt irgendwie … kompakt. Stimmt.

Max: Ich bekomme langsam Hunger. Gehen wir essen. Lass uns runter gehen und einen Bäcker suchen.

Nicolas: Puh, mit dem Bäcker hatte ich auch schon meine Probleme. „Wecken“ sind Brötchen – das habe ich verstanden. Aber als mich neulich an der Theke ein leckerer Berliner angelächelt hat und ich den bestellen wollte, stieß ich an meine Grenzen. „Einen Berliner bitte“, sagte ich. Die Verkäuferin sah mich verwirrt an.

Max: Hast du es mal mit „Krapfen“ versucht?

Niolas: Scherzkeks. Kein Mensch außerhalb Bayerns kennt das oder denkt ich will einen Fisch bestellen. Naja, also habe ich mit meinem Finger auf den Berliner gezeigt: „Das da“. „Ach, een Pfannkuchen, saach‘n ses doch gleich“, bekam ich als Antwort.

Max: Was!? Pfannkuchen? Und wie heißt bei denen bitteschön das, was wir „Pfannkuchen“ nennen.

Nicolas: Eierkuchen. Ach ja, und Seelen gibt es hier natürlich auch nicht. So eine richtig schöne Leberkässeele, das wär‘ jetzt was.

Max: Seltsames Volk diese „Praißen“.

*Im Laufe der Globalisierung wurde der Begriff der „Preußen“ im bayerischen Fachjargon auf jede Bevölkerungsgruppe außerhalb des Freistaates ausgeweitet.

 

Auf euch beide warten noch so einige kulinarische Entdeckungen. Zuckerkuchen, Wellkuchen, Prilleken … da lacht das Magdeburger Herz. Und dann erst die Hauptspeisen! So eine richtig schöne Soljanka mit Schmand und Brot, das wär‘ jetzt was.

 

Nicolas: Aber eines muss man ihnen absolut lassen: sie sind zum aller größten Teil unheimlich freundlich. Sicher, man muss mit dem Magdeburger Charme erst einmal klar kommen. Aber im Großen und Ganzen wurde ich immer so höflich und freundlich bedient, wie ich es kaum aus meiner Heimat kenne.

Max: Bei dir in Württemberg vielleicht.

Nicolas: Ernsthaft. Mein bester Freund war erst vor kurzem zu Besuch. Er ist Ur-Schwabe und war das erste Mal hier. Als wir uns was bei McDonalds bestellten, sah er mich ganz entgeistert an. Als ich ihn fragte was los sei, meinte er nur: „Alter! Selbst die Bedienung beim Mägges bei euch ist super freundlich!“

Max: Jap, an die ruppige Art vieler Magdeburger musste ich mich auch erst gewöhnen. Wie du schon meinst: ein ganz eigener Charme. Aber da hast du vollkommen Recht.

 

So sind wir eben: Hart aber herzlich. Mal sehen, was ihr zwei so in den kommenden Wochen und Monaten hier erlebt. Wir begleiten euch gerne durch unsere Ottostadt.